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Bartest in Winterthur: Cotton Corner Bar

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Als zweite Bar im Test war die Cotton Corner Bar, welche sich an der Ecke Museumsstrasse/Merkurstrasse  gleich beim Bahnhof befindet, an der Reihe.
Die Cotton Corner Bar (Baumwoll-Eck) gehört zu einem Unternehmen welches im internationalen Baumwollhandel tätig ist. Wie auch die Fahrenheit-Bar bietet die Cotton Corner Bar tagsüber verschiedene Menus (Grillspezialitäten) an.

Gleich beim betreten der Bar fällt auf, dass die Theke in einem oval angeordnet ist.  Der Arbeitsbereich der Barkeeper befindet sich innerhalb dieses Ovals, während rundherum Sitzgelegenheiten in Form von Barhockern vorhanden sind. Neben dieser Theke, welche eine Grossteil des Raums einnimmt,  befinden sich auch noch einige Sofas im Raum. Die gesamte Bar ist in schummriges, rötliches Licht getaucht. Störend empfand ich die etwas zu laute Musik (ausserdem gar nicht mein Geschmack ;) ).

Als wir spätabends die Bar besuchten, war diese etwa halbvoll. Im Gegensatz zur Fahrenheit-Bar war der Altersdurchschnitt hier etwas höher.
Wir setzten uns also an die Theke und ordeten einen Manhatten, was sogleich zur ersten Entäuschung führte. Manhatten steht nicht auf der Karte, ergo gibt’s ihn nicht. Nun gut, so warfen wir als einen Blick in die nicht gerade üppige und für mich etwas entäuschende Barkarte. Nach kurzem Durchblick ebendieser bestellte ich einen Gin Sour, welcher nach kurzer Zeit auch kam und mich erst einmal leer schlucken lies. Was da vor mir stand, ähnelte in keinster Weise dem was ich erwartet habe. Serviert in einem Old Fashioned Glas mit Crushed Ice gefüllt, schwappte eine gelblich-bräunliche Flüssigkeit umher (und ein Strohhalm). (Ich dachte immer, Gin, Zuckersirup und Limettensaft seien eigentlich nicht für ihre gelbe Farbe bekannt).
Nach dem ersten Schluck war auch klar, was die gelbe Frabe war: Orangensaft (zur bräunlichen Färbung komme ich später ;-) )
Jetzt kann man darüber streiten, ob Orangesaft in einen Sour darf oder nicht. Grundsätzlich sollte ein Cocktail schmecken und wenn also jemanden seinen Sour mit Orangensaft will, dann will er es halt so. Auch wenn ich es nicht verstehe, da ich denke, dass man mit grosszügiger Zugabe von Fruchtsäften eher schlechte Qualität der Zutaten kaschieren will, als irgendwas anderes. Desweiteren sollte ein Sour doch den Charakter der Grundspirituose wiedergeben. Fruchtsäfte sind für dieses unterfangen eher hinderlich.
Auf jeden Fall wandte ich mich etwas erstaunt an die Barkeeperin, warum den da Orangensaft drin sei, ich kenne das anders. Lapidare Anwort ihrerseits: “Das stehe ja auch so in der Karte”. Nun, da mag sie wohl recht haben, es stand wirklich in der Karte (und ich bin somit selber schuld), aber die Art und Weise, fand ich befremdlich. Es schien, als wäre gar kein Interesse am Gast vorhanden. “Was nicht auf der Karte steht, wird nicht gemacht und wenn es dir nicht passt wie es gemacht wird, dann hast du halt Pech gehabt. “. Guter Service geht anders.

Aber zurück zum Drink, bei dem ich zugeben muss, dass ich die Zubereitung total verpennt habe (deshalb auch ein zweiter Test, siehe weiter unten).
Viel zu sagen gibt es nicht. Er schmeckte nach Orangensaft mit Alkohol. Vielleicht war es Gin, vielleicht Wodka, vielleicht aber auch nur Neutralalkohol.
Ich trank aus, bezahlte die 16 (!) CHF und wir verliessen die Bar, etwas verärgert und entäuscht.
Trotzdem war ich entschlossen, der Bar noch einen weiteren Besuch abzustatten, was ich dann auch tat.

Nachdem letzten Erlebnis, war ich mir nicht sicher was ich mir diesmal bestellen sollte. Planter’s Punch? Ne, lieber nicht. Die eine Barkeeperin erkannte mich noch vom letzten Mal und meinte, dass ich jetzt ja wisse, dass sie einen Sour mit Orangensaft machen.
Also versuchte ich es erneut und bestellte wieder einen Gin Sour, diesmal mit dem Wunsch, keinen Orangensaft hinzuzugeben. Eigentlich hätte ich bereits bei der Reaktion (diesmal eine andere Barkeeperin) auf meinen Wunsch die Bestellung zurückziehen sollen und ein Bier bestellen. Die Reaktion? Erstaunen, durchsetzt mit leichtem Unglauben…
Auf jeden Fall machte sie sich dann daran, den Gin Sour zuzubereiten.
Ein wenig Gin (Gordon’s)
etwas doppelt soviel Zitronensaft aus der PET-Flasche (nicht frisch) und drei Teelöffel brauner Zucker (jetzt wissen wir auch, woher die bräunliche Farbe kommt).
Das Ganze mit Crushed Ice füllen, sachte schütteln. Fertig!

Es erinnerte mehr an eine “Bar”, welche sich in einer Disco o.ä. befindet, als an ein Betrieb, welcher sich selbst “Bar” nennt.  Während man in anderen Bars spürt, dass der Gast wichtig ist und der Barkeeper Spass hat, fehlt dies hier leider.

Während der erste Gin Sour einfach langweilig und belanglos war, war dieser schlicht und einfach ungeniessbar. Da passte gar nix, wenn man ihn mit dem Strohhalm trank, hatte man immer lecker Zuckerkörner im Mund und vom “Geschmack” möchte ich gar nicht reden. Auf ihre Frage, ob er schmecke, verneinte ich und meinte, dass ich Sours eigentlich im Verhältnis 5-2-1 (ungefäht) kenne und, dass man den Gin gar nicht richtig schmecke, worauf sie antwortete, dass hier sicherlich 4cl Gin drin seien. Meine Entgegnung, dass aber sicherlich doppelt soviel Zitronensaft drin sei, liess sie unkommentiert.
Ich liess den Cocktail stehen, bezahlte und ging, mit der Absicht diese “Bar” nicht mehr zu besuchen.

Fazit

keine EmpfehlungDefinitiv keine Empfehlung. Eigentlich hatte ich erwartet, dass diese Bar zu den Bessern in Winterthur gehört.
Die Cotton Corner Bar präsentiert sich zwar als Bar, aber die Cocktails werden lieblos zusammengeschüttet und man scheint kein wirkliches Interesse am Gast zu haben (geschweige denn an der Materie). Nur die für Winterthur sehr hohen Preise, sind auf dem Niveau einer guten Bar.

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5 Responses to “Bartest in Winterthur: Cotton Corner Bar”


  1. Pages tagged "gin sour"
    on Apr 6th, 2009
    @ 9:01 pm

    […] bookmarks tagged gin sour Bartest in Winterthur: Cotton Corner Bar saved by 4 others     FilthyWhore bookmarked on 04/06/09 | […]


  2. Soroa-Bar
    on Nov 27th, 2010
    @ 11:43 am

    Grüezi mit Interesse und Freude lese ich den Test (Winterthur). Generell verstehe ich das Theater (wichtig?) um den frischgepressten Zitronensaft nicht ganz, obwohl ich eigentlich Fan bin von frischgepresstem. Jedes Barheft und jeder Blog überbietet sich mit der Wichtigkeit ob frisch oder nicht frisch… Was zählt ist das Mischverhältnis, korrekt gerührt/geschüttelt (eiskalt). Stimmt das Mischverhältnis verliert der Zitronensaft an Wichtigkeit?…bei mir arbeiten auch zwei junge Keeper die gerne mit frischgepresstem arbeiten ist o.k. (Mojito, Sour, Mai Tai, etc.). Ich als trotziger Grufti freue mich diebisch, wenn ich mit der Plastikvariane arbeite und die Gäste schwören trotzdem auf die Drinks. Was ich nicht verstehe ist Eis im Sour, da sicher kein Tropical mir erhöhtem Sirup-/Liköranteil….und mit Orangensaft kommt vom California-Sour und sieht nicht aus wie Abwaschwasser (nur Zitronensaft) und find ich o.k wenn es auch noch auf der Karte steht…
    ich freue mich an diesem Blog. danke.
    Und übrigens wenn ihr den Namen Soroa lest sollte man meinen, dass diese Bar nicht durch den Raster fällt… 1. Ort in Kuba (Cocktails) 2. Name eines Daiquiris (rum, apricot-brandy, zitronensaft, ananassaft)


  3. Michael
    on Dez 5th, 2010
    @ 10:18 pm

    Danke für den Kommentar :-)

    Das Problem war ja nicht nur der nicht frische Zitronensaft. Vielmehr stimmte hier das Mischverhältnis überhaupt nicht, der Gin kam viel zu kurzund wurde von einem unschönen süss-sauer-gemisch übertont. Ganz puristisch gehört ja “nur” weisser Zuckersirup in einen Sour. Rohrzucker ist sicherlich in einem Rum-sour interessant, aber auch nur, wenn er aufgelöst ist (nicht so wie im Beispiel oben).

    Die künstlichen Zitronensäfte, welche ich kenne (sind zugegebenermassen nicht viele) bringen alle eine deplatziert wirkende Süsse sowie eine künslich wirkende Säure.
    Ich lasse mich aber gerne mal überraschen in der Soroa-Bar :-)

    Wieso sollte kein Eis in einen Sour?

    BTW:
    Die Soroa-Bar habe ich auch vorgestellt,allerdings unabhängig von der mittlerweile eingestellten Bartest-reihe

    http://www.swisscocktailblog.ch/2009/08/17/soroa-bar-winterthur/


  4. Ruedi von Niederhäusern
    on Dez 6th, 2010
    @ 3:37 pm

    Hey Michi, bin ich absolut einverstanden (Mischverhältnis, Arbeitstechnik…hast Du sehr gut beschrieben), ich fand nur und nicht nur in deinem Blog, sondern auch in diversen Fachzeitschriften (z.B. Mixologie) wird immer über künstlichen und frischgepressten Zitronensaft debattiert…Finde ich so ein Detail, jedoch ein wichtiges denn der Drink ist so gut wie die schlechteste Zutat….
    Den Bericht über die Soroa-Bar habe ich natürlich mit Freude gelesen…
    Wieso kein Eis im Sour?
    Früher gab es noch das Sour-Glas (Bild>Schumann, American Bar) ein mix zwischen Coupliglas und Sherryglas ohne Eis?. Wir haben ein ähnliches Glas in der Soroa-Bar, heute kommen die Originalgläser wieder vermehrt auf, denke ich..im Old Fashion/Tumbler ist Ice o.k. >Americain Style. Und auch immer wichtig der Unterschied, Verwendung von Würfeleis oder Crushed Ice!
    Ich finde oder arbeite mit folgender Einstellung: Eis (Crushed) sollte nur in z.B. Tropicals, d.h. in Drinks mit erhöhtem Zuchergehalt wie Sirups, Likörs. Im Trinkverhalten äussert sich das folgendermassen: Ich nehme den ersten Schluck, der Drink ist kraftvoll, süss.. sehr angenehm die verschiedenen Aromen, Süsse, etc. nun, wenn der Drink kein Eis enthält, bleibt der Geschmack immer gleich stark, intensiv…
    die Geschmacksknospen haben die verschiedenen Geschmäcker, Aromen, v.a. Süsse gespeichert und es braucht eigentlich nur noch ganz leichte Reize… das wird erreicht wenn der Drink “verwässert”…Hast Du noch nie gehört wenn Gäste Cocktails ablehnen, weil sie zu süss und klebrig sind. “Stell Dir vor Du isst ein Menu mit franz. Zwiebelsuppe danach Salat mit Zwiebeln und als Hauptgang Lammkotelette (Knobli) mit Spinat (Zwiebeln, Knobli). Jeder Gang lecker doch alles zusammen = unvorstellbar, den deine Geschmacksnerven sind gnadenlos überfordert”.
    Darum lehne ich grundsätzlich Eis im Sour ab, wenn ein Gast Eis wünscht bekommt er natürlich Eis im Tumbler. Denn der Zuckeranteil sollte ja nicht so hoch sein und wenn ich einen noch erfrischenderen Drink möchte ist ein Collins eher angebracht mit Eis und höher dosiert mit Zuckersirup! Dann sind wir ja schon beim Caipirinha wo eigentlich auch kein Crushed Ice sondern nur Würfeleis hinein sollte, mache ich aber auch nicht…
    Wäre eigentlich eine Interessante Debatte? Ich hoffe, meine Erklärungen sind verständlich, sonst erkläre ich mich gerne mündlich an der Soroa-Bar ist für mich auch einfacher als schriftlich… doch machts sehr spass…
    Grüsse
    Ruedi


  5. office erotic stories
    on Apr 26th, 2013
    @ 3:39 am

    I am regular reader, how are you everybody?
    This piece of writing posted at this site is truly pleasant.

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