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Cocktails lernen: Das Vorgehen

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Um Dinge abzugrenzen, ist es nötig, deren Kern auszumachen.  Etwas also, das einer Vielzahl von Kategorien ähnlich ist, quasi eine gewisse Basis, auf der wir weiter aufbauen können. Als Beispiel für die Kategorie „Shortdrink“ wähle ich einen Sour, der auf wunderbare Weise die Grundlage für so viele Drinks darstellt.

Ein Sour besteht aus einer Spirituose, Säure und Süsse. Wichtig ist, dass die saure Komponente die süsse im richtigen Verhältnis kontert und so ein „tieferes“ Geschmackserlebnis begünstigt. Wie in einem früheren Teil gezeigt, existiert ein optimales Säure-Süsse-Verhältnis. Ich gehe folgend von einem optimalen Mischverhältnis von 5 Teilen Spirituose und 3 Teilen Zitronensaft auf 2 Teile Zuckersirup aus.

Kreieren wir anhand dieses Basisrezeptes einen Rum-Sour:

Beispiel 1:

Rum-Sour

5 Teile Rum
3 Teile Zitronensaft
2 Teile Zuckersirup

Damit das ganze anschaulicher wird, hier die visuelle Hilfe:

Wir haben jetzt den Kern des Shortdrinks definiert. Er heisst in unserem Beispiel „Sour“. Es ist das einzige Rezept, das wir zu lernen brauchen.

Mit diesem Wissen können wir nun spielen. Wir kreieren Varianten und schauen, was passiert. In unserem Beispiel könnte man den Rum vielleicht durch eine andere Spirituose ersetzen. Beispielsweise durch Gin oder Whisky. Die Systematik ändert sich dadurch nicht, denn Spirituose bleibt Spirituose. Wir hätten dann statt eines Rum-Sours einen Whisky-Sour, Gin-Sour etc. Doch nehmen wir statt der Spirituose einen Likör, kriegen wir einen völlig neuen Drink. Einen Likör-Sour; Das Geschmacksbild zeigt, dass Likör bereits sehr süss ist. Deshalb lassen wir den Zuckersirup weg und ersetzen ihn durch eine neutrale oder herbere Zutat.

Beispiel 2

Pfirsich-Sour

5 Teile Pfirisch-Likör
3 Teile Zitronensaft
2 Teile Orangensaft

Liköre sind also sehr süss. Warum im Grundrezept nicht den Zuckersirup durch einen Likör ersetzen? Wir haben einen International Sour.

Eine wichtige Art des International Sours ist der New-Orleans Sour. Diesen erhalten wir, wenn wir den Zuckersirup durch einen Orangenlikör, beispielsweise Cointreau, ersetzen.

Gehen wir vom Grundrezept aus, und mischen wenig Sodawasser hinzu, erhalten wir im Grundsatz einen Fizz. Mit viel Sodawasser erhalten wir einen Collins.

Selbstverständlich beinhaltet die Kategorie „Shortdrink“ noch weitere Unterarten. Einige davon füge ich noch an, dann sollte unser Ziel langsam in sichtbarer Nähe sein.

Für einzelne Verbindungen haben sich sogar Namen herausgebildet:
Ein Rum Sour mit weissem Rum und Limettensaft ist ein Daiquiri.
Ein New-Orleans Sour mit Gin ist eine White Lady.
Ein New-Orleans Sour mit Tequila ist eine Margarita.
Ein Collins mit Gin ist ein Tom Collins.
Ein New-Orleans Sour mit Sour ist ein Sidecar.
und so weiter…

Was bringt nun diese Aufstellung? Für das eigene Verständnis relativ viel-wenn man sie zu nutzen weiss. Anhand des Schemas und der Basis (5-3-2) ist es möglich, eine Vielzahl von Cocktails herzustellen. Alleine mit einer Spirituose, einem Likör, Zitrusfrüchten und Zuckersirup kriegen wir über ein halbes Dutzend klassische Cocktails zusammen. Und dass alles ohne mühseliges auswendiglernen von Rezepten.  

Der spannende Teil fängt erst da an, wo man sich selber auf die Reise begibt und sein ganz eigenes Lern-Schema kreeirt. Dabei spielt die rein dogmatische Eintteilung der Kategorien erstmal nur eine geringe Rolle. Wir wollen möglichst viele Cocktails begreifen und uns nicht den Kopf über Abgrenzungen beispielsweise eines Fizzes oder Collinses zerbrechen. Je weiter man jedoch in die Tiefe dringt und je mehr man Zusammenhänge und Abgrenzungen erkennt, desto wichtiger werden diese Fragen.

Wer wagt sich an die Longdrinks?

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