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Besuch bei Heiner’s Destillate

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Heiners Destillate GmbH wird vom Ehepaar Heiner seit 2005 in Oberwil bei Zug geführt.
Thomas Heiner hat eigentlich Landwirt gelernt und war einige Zeit im Obst- und Weinbau tätig.
Nachdem er eine weitere Ausbildung zum Weintechnologen abgeschlossen hatte und bei einer Brennerei als Brennmeister arbeitete, entschloss er sich 2005 selbst unter die Brenner zu gehen und Heiners Destillate zu gründen.

Angefangen hatte man damals mit sechs verschiedenen, klassischen Bränden wie zum Beispiel Williams und Kirsch. Mittlerweile umfasst das Portfolio 48 verschiedene Produkte, darunter auch Exoten wie Vogelbeere oder Lorbeerkirsch. Ein Ende der Produktevielfalt scheint noch nicht in Sicht, den bereits während dieser Bericht geschrieben wird, wird bereits am nächsten Streich, einem Papayabrand aus Schweizer Papayas, getüftelt und ich vermute, dass dies bei weitem nicht das letzte Produkt sein wird, welches die Heiners auf den Markt bringen.

Anders als andere Betriebe, arbeiten Heiners nicht hauptberuflich als Brenner, sondern haben sich nebenberuflich einen Traum erfüllt. Dies hat natürlich den Vorteil, dass man nicht von der Herstellung von Obstbränden abhängig ist, worüber Familie Heiner im Moment auch durchaus froh ist. Die Zeiten für Obstbrenner waren auch schon besser, was auch durch die jüngste Statistik des EAV ersichtlich.

frischer Honigbrand fliesst aus der Destillerie

Etwas von der Strasse nach hinten versetzt, in der Nähe des Bahnhofes von Zug (ZG) bei der Wirtschaft Brandenberg, befindet sich mein Ziel:  Brennerei Brandenberg, welcher die Heiners mit moderner Technik neues Leben einhauchen. Von aussen eigentlich nicht als solche zu erkennen, liegt sie da und es herrschte schon reges Treiben vor und im Raum der Destillerie, den schliesslich war dies die  Einweihung der neuen Destillerie.

Als ich eintraf, wurde gerade ein Honigbrand destilliert. Thomas Heiner überprüfte zwischendurch olfaktorisch, ob der Vorlauf bereits fertig ist. Der Brand floss als sehr kleines Rinnsal in den dafür bereitgestellten Behälter und bereits da merkte man schnell: Hier wird wert auf Handarbeit und Qualität, nicht auf Quantität gelegt.

Bisher brannte Thomas Heiner seine Destillate zwar selbst aber mangels eigener Destillerie in einem fremden Brennereibetrieb. Der Betreiber dieser Brennerei ging aber von kurzem in Pension und Thomas Heiner nutzte diese Gelegenheit, um eine eigene Destille zu erstehen und in Betrieb zu nehmen.
Bei dieser Destille handelt es sich um eine relative kleine Kolonnendestille, welche maximal 50kg Material brennen kann.
Im Destillierraum befanden sich neben der Destillerie, welche man auch von ganz nahe betrachten konnte, zwei Tische auf welchen Riechproben der verschiedenen Produkte von Heiners Destillate angeboten wurde, welche man  auch erwerben oder verkosten konnte. Dazu wurden leckere Häppchen serviert.

Die Qualität und der Preis

Die neue Destillerie spart nicht an moderner Technik

Thomas Heiner legt viel Wert auf qualitativ hochwertige Grundstoffe und versucht möglichst alle Zutaten aus der Schweiz zu beziehen. Qualität hat wie der Volksmund so schön sagt, seinen Preis. Gerade in der Schweiz, welche als teures Land bekannt ist, bekommt das nicht nur der Endverbraucher, sondern auch der Produzent von Obstbränden zu spüren, denn natürlich will dieser kein Verlustgeschäft machen und muss die bereits hohen Einkaufspreise dem Konsumenten weiter verrechnen. Dieser wiederum möchte möglichst viel Qualität zu möglichst kleinem Preis. Wie bereits auch aus anderen Bereichen wie Elektronik etc. bekannt, gewinnt oft der kleine Preis.

Dieser Balanceakt zwischen Kosten und Qualität sei nicht einfach, erklärt mir Thomas Heiner.
Was die Problematik bezüglich Qualität angeht, liegen Obstbrände beziehungsweise wohl alle Spirituosen und Cocktails sehr nahe beieinander wie wir im Gespräch feststellen. Viele Leute haben keine wirkliche Vorstellung von Qualität und sind oftmals mit mangelnder Qualität zufrieden, sei es nun irgendein minderwertiger Kirsch oder ein verpanschter Mai Tai

Viele Konsumenten seien nämlich erstaunt, wie ein Kirsch tatsächlich schmecken kann, da sie sich vor allem industriell gefertigte Produkte gewohnt sind, stellt Thomas Heiner fest.

Klein aber fein

Wenn Wildfrüchte geerntet werden müssen, packt sogar die ganze Familie an und macht sich auf in den Wald um diese Früchte zu ernten, was natürlich eine zeitaufwändige Arbeit ist, einerseits weil diese natürlich nicht irgendwo schön auf einem Feld wachsen, andererseits, weil Wildfrüchte tendenziell einen tiefen Zuckergehalt aufweisen und der Ertrag an reinem Alkohol pro Kg mit ca. 2-3% einiges tiefer als beispielsweise bei Kirschen ist. Somit benötigt man auch weitaus mehr Früchte.

Familie Heiner erledigt alle Arbeitsschritte bis hin zur Etikettierung selbst und kann dabei glücklicherweise auch auf

Einblicke in die Destillerie

Einblicke in die Destillerie

Freunde und Bekannte zählen, die tatkräftig anpacken. Denn obwohl Heiners Destillate kleine Chargen ihrer Produkte herstellt, die Chargen reichen von 10 Flaschen à 10cl bei der roten Heckenkirsche bis etwas über 200 Flaschen bei der Weichselkirsche, ist der Aufwand bis zum Endprodukt nicht zu unterschätzen.

Auf die Frage, wie man denn darauf kommt Honig oder spezielle Früchte wie Vogelbeere zu destillieren, meinte Thomas Heiner, dass, wenn er auf ein interessantes Produkt stösst, wissen will wie es in einem Brand schmeckt. Was dann dazu führt, dass sich mit dem Kirschlorbeer auch eine eigentlich giftige Frucht im Portfolio befindet.

Neben dem Produkte welche Heiner selber brennt, befinden sich auch einige interessante Produkte der sogenannten Brennergemeinschaft, der DBG im Angebot. Die DBG ist ein Verbund von Landwirten, Brennern und Liebhabern von Obstbränden. Diese nichtkommerziell ausgerichtete Gemeinschaft trifft sich einige Male im Jahr und kreiert zusammen neue, interessante Produkte abseits von Obstbränden. Wobei „abseits“ nicht ganz richtig ist, denn die Basis all dieser Destillate ist immer Kirsch. So entsteht dann SchoKi, ein Schokoladengeist mit Maracaibo Schokolade, destilliert, ein ungewöhnlicher, sehr floraler Gin oder ein Absinth mit intensiven Fenchelnoten und 70% Alkohol.

Nach interessanten Gesprächen und spannenden Einblicken in die Produkte und Philosophie von Heiners Destillate machte ich mich wieder auf den Heimweg.
Heiners sind immer Montags oder nach telefonischer Vereinbarung in der Brennerei anwesend.

Zum Schluss natürlich noch das Interview, welches ich mit Thomas Heiner per Email geführt habe.

Interview

Wie bist du dazu gekommen Obstbrände herzustellen?

Meine Ausbildungen zum Landwirt und Weintechnologe haben mich dazu bewogen, Obst zu Edelbränden umzuwandeln.

Was fasziniert dich am Brennen?

Die Herstellung von neuen Bränden, sowie das Abwarten auf die ersten Tropfen, die mir verraten, ob das Destillat so wird, wie ich mir das vorstelle.

Bist du der Meinung, dass lokale Produkte in der Schweiz die Aufmerksamkeit erfahren, welche sie verdient haben?

Nein

Was sind deiner Meinung nach die Gründe?

Erstens gibt es noch zu viele schlechte Produkte auf dem Markt. Zweitens sind die Verarbeitungs- u. Früchtekosten, sowie Steuern in der Schweiz höher als im Ausland, so dass die Produkte im Vergleich zum Ausland viel mehr kosten.

Kannst du dir vorstellen hauptberuflich Obstbrände herzustellen?

Das ist mein Ziel.

Du hast dich entschieden kleine Chargen deiner Produkte anzubieten. Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt grössere Chargen herzustellen?

Ja auf jeden Fall, wenn die Nachfrage dafür da ist.

Wie kommst du auf die z.t. doch ausgefallenen Grundstoffe wie z.B. Vogelbeeren, Mispel, Rote Heckenkirsche, etc.?

Es ist meine Leidenschaft aus jeder Frucht oder Wildfrucht das Aroma in flüssiger Form einzufangen. Zudem haben unsere Vorfahren schon Wildfrüchte gesammelt und verarbeitet. Wir haben verlernt mit diesen Kostbarkeiten etwas herzustellen.

Wie gehst du jeweils vor, wenn du ein interessantes Obst/interessante Frucht gefunden hast?

Ich probiere (esse)diese Frucht zuerst, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Zudem suche ich Literatur zu dieser Frucht um mich mit der Zusammensetzung (Inhaltsstoffen) vertraut zu machen. Danach wird die Frucht verarbeitet.

Welches Produkt würdest du jemanden empfehlen, der keinerlei Erfahrung mit Obstbränden hat?

Ich würde der Person einen Edelbrand empfehlen von dem er/sie auch die Frucht kennt. Auf den Punkt gebracht: etwas Klassisches (Kirsch, Williams, Traubenbrände, ect.). Wildfruchtbrände empfehle ich, wenn jemand etwas Neues bzw. etwas Spezielles kennen lernen will.

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