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Rezension: Clouds, Zürich

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Kürzlich las ich in einer Zeitung, dass das „Clouds“ über zuwenig Kunden klagt. Grund genug für einen Besuch am letzten Samstagabend.

Die Bar ist im 35. Stockwerk des „Prime-Towers“ zu Hause, und ist –wenn man den diversen Zeitungsberichten trauen will –zum jetzigen Zeitpunkt des Zürchers liebstes Kind. Immerhin ist das Restaurant bis Ende September ausgebucht, wie man mir sagte.

Wir lassen uns vom Lift ins oberste Stockwerk befördern und müssen uns kurz orientieren; Die Bezeichnungen „Bistro-Bar“und „Lounge“ stiften etwas Verwirrung. Wir entscheiden uns für die Bistro-Bar rechter Hand des Lifts und werden unmittelbar mit einem herrlichen Ausblick auf den Zürichsee, die St. Galler und Glarner Alpen belohnt. Verwirrend dann aber, dass die Bedienung beim Negroni auch nach zweiminütiger Recherche passen muss. Offenbar haben wir nicht die „Bar“ erwischt, die wir suchten. Wir wechseln ohne zu zögern die Lokalität und bewegen uns Richtung “Lounge”. Zwischenzeitlich konnte ich auch beobachten, dass das Personal hinter der Bar den überquellenden Schaum mit der Hand vom Glas wischte und die Trinkhalme mit den Fingern richtete.Dieses Vorgehen sollte schon alleine aus hygienischen Gründen unterbleiben!

Die Lounge besticht durch einen im Raum stehenden Tresen und eine grosse Fensterfront mit Blick auf Altstetten und ins Aargau. Vor der Bar stehen einzelne Tische mit hohen Stühlen, im hinteren Bereich finden sich eher Sofas und kleinere Sitzbänke, die gut besetzt sind. Die Beleuchtung ist dezent, das Backboard hoch.

Die Karte lässt sich sehen. Sie ist unterteilt in Art der Spirituosen und Kategorien wie Clouds Drinks, Seasonal Drinks oder Twisted Drinks. Die Preise sind für Zürcher Verhältnisse erstaunlich moderat.

Meine Begleitung bestellt einen Raspberry Mojito. Ich lechze immer noch nach einem Negroni, den man hier glücklicherweise kennt. Als Gin wird Tanquerry 10 empfohlen und auf meinen Wunsch hin mit Blackwood zubereitet.

Der Mojito fällt durch durchdringende Süss auf. Selbst meiner Begleitung ist es ausnahmsweise hier zuviel. Sehen lässt sich allerdings der Negroni; der Blackwoods Gin (60%) verbindet sich sehr schön mit Carpano Antica Formula. Die dazu gereichten Nüsse sind mit verschiedenen trockenen Marinaden umhüllt. Uns erscheinen sie allerdings neben den Drinks zu mächtig.

Zwischenzeitlich dunkelt es und vereinzelte Nischen des Backboards werden in dezent bunte Lichter getaucht. Auch die übrige Raumbeleuchtung gefällt uns; Zurückhaltende Farbtöne in grün, rot oder gelb verfehlen ihre stimmungsvolle Wirkung nicht. Weniger angetan sind wir von der Lautstärke der Musik. Die dauerhafte Beschallung von beatstarken Lounge-Jazz und anderen Samplers beschneidet die Atmosphäre ungünstig.

Wir haben Hunger und bestellen Tapas, Zamorano Käse und Stockfisch Croquetten. Bis auf den Stockfisch, der fast in einer schleimigen Textur daherkommt, sind wir ob der Qualität begeistert. Die Tapas gefallen durch ihren wunderbaren Kartoffelgeschmack und auch der Schafskäse isst sich gut, ohne aufdringlich zu werden.

Weiter wählen wir einen Swiss Mountains und einen Clouds 35, offenbar das Aushängeschild der Bar. Ersterer wird mit Havana Club 7 ans, St. Germain, frischem Salbei und Limettensaft geshaked und mit kohlensäurigem Apfelsaft aufgefüllt. Ein schöner, kräuter- und blütenbetonteter Longdrink, der sich sehr leicht trinkt und die momentane Strömung um die Holunderblüten gekonnt aufnimmt. Für unseren Geschmack geht hier der Rum allerdings etwas verloren. Wir können fast nicht glauben, dass er 5cl beinhalten soll.

Der Clouds 35 wird ebenfalls mit gereiften Rum, Bitter, Zitronenzeste, frischer Pfeffereminze, Zuckersirup und Ginger Beer hergestellt. Vom Grundsatz her handelt es sich um eine Melange zwischen Mint Julep und Moscow Mule, entsprechend wird Drink auch in einem Silberbecher serviert. Persönlich hätte ich mir einen gefrosteten Silberbecher gewünscht, um die Verwandschaft mit dem Mint Julep noch mehr zu unterstreichen, geschmacklich besticht der Clouds 35 hingegen durch sein harmonisches Auftreten, und auch das Gingerbeer stört keineswegs.

Wir würden gerne noch einen weiteren Drink bestellen, doch die laute Musik stört immer mehr. Auffallend sind auch die vielen Quasi-Gäste, die nur kurz in den Raum treten um sofort wieder umzukehren. Ob sie sich –wie wir anfangs- im Raum irren oder bloss wegen der Aussicht „schnell reinschauen“, bleibt ungeklärt. Jedenfalls wird der Ablauf in der Bar dadurch sehr unruhig, man fühlt sich gestört. Ist vielleicht die Beschriftung zu unklar?

Das Clouds ist durch Andreas Kloke (dem ehemaligen Chef de Bar der Bar & Lounge 42 im Mariott, Zürich) sicher hervorragend geführt. Erwähnenswert sind etwa die selbst hergestellen Sirups und infusionierten Spirituosen. Auch handwerklich gibt es nicht viel zu beanstanden, die Leute verstehen ihren Beruf. Trotzdem empfanden wir den Abend nicht ganz als „stimmig“ und etwas unbefriedigend. Ob dies allein an der lauten Musikbeschallung lag oder an einer gewissen Kühle des Raumes, vermögen wir nicht zu entscheiden. Die längeren Tische vor der Bar empfanden wir als unpassend; sie erinnerten etwas an einen Kantinenbetrieb. Eine vollständige Sofaeinrichtung hätte dem Raum in unseren Augen besser getan. Beobachten konnten wir auch, dass die Barstühle sichtlich Schmerzen bereiten; offenbar sind sie sehr unbequem.

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